Magazin

TIERBEFREIUNG 130

April 2026

Editorial

Liebe Lesende,

in dieser Ausgabe der TIERBEFREIUNG schauen wir auf den Kollaps von Systemen, vorrangig ökologischen. Dabei mag eine*n das Gefühl der Ausweg- und Hoffnungslosigkeit überkommen, so zumindest ging es mir bei der Lektüre. Doch die Zerstörung der Umwelt und der Gesellschaft ist keine binäre Angelegenheit. Daher ist auch der Kampf dagegen nicht verloren – denn jedes Bisschen, um das wir die Katastrophe reduzieren können, ist ein kleiner Gewinn.

Wichtig ist dabei anzuerkennen, dass wir gegen den Kapitalismus und seine Plutokrat*innen kämpfen, die sich in einer privilegierten Machtposition befinden. Das Ergebnis sind mehr Autoritarismus und insbesondere: Überwachung. Wollen wir ernstzunehmenden Widerstand bieten, müssen wir uns von zentralisierten/monopolisierten Überwachungs- und Kontrollstrukturen emanzipieren und ein Solidaritätsangebot sowohl schaffen wie auch bereit sein anzunehmen.

Sehr willkommen ist da die DI.day-Kampagne, die einfache Anleitungen bereitstellt, um auch technisch unversierten Menschen einen Umstieg auf sozialere oder überwachungsresistentere Medien/Systeme zu erleichtern und sich von monopolistischen US-Big-Tech-Unternehmen zu lösen. Das Motto ist: „Jeden ersten Sonntag im Monat auf die gute Seite wechseln!“ Ob Ihr Eure Suchmaschine umstellen wollt, von Microslop Windows auf eine freie Linuxdistribution umsteigen oder endlich mal Euren Twitter-Account wegschmeißen wollt, schaut mal auf di.day/wechselrezepte vorbei. Auch wir machen mit und beleben wieder unseren älteren Mastodon-Account @Tierbefreiung@todon.eu; trötet uns mal ein Hi.

Das ist ein sehr kleiner Beitrag, aber solange wir unsere (digitalen) gesellschaftlichen Interaktionen zu ihren Bedingungen führen, können wir uns auch nicht von ihrem Narrativ lösen. Und gänzlich hypothetisch: Wer über Direkte Aktion gegen Ausbeutungs- und Zerstörungssysteme nachdenkt, sollte vielleicht auch keine Software benutzen, die durch Überwachung die eigene Person und Kompliz*innen in Gefahr bringt.

Alan Schwarz!


Inhalt

Titelthema

  • Systeme im Kollaps
  • Das große Verblassen
    Die Auswirkungen für die weltweiten Ökosysteme in Korallenriffen analysiert Anna Huber ausführlich in Das große Verblassen. Quadratkilometerweise zerstören wir Lebensorte für unzählige Spezies und Individuen. Ohne eine globale, ja, radikale Kehrtwende in kürzester Zeit wird diese Zerstörung nicht mehr umkehrbar sein. Und dieser Kahlschlag wird unserem eigenen Ende nur vorausgehen.
  • Zwischen Himmel und Abgrund
    Ina Schmitt schaut nach oben und nach der Verheerung, die wir den Vögeln antun. Zwischen Himmel und Abgrund dekonstruiert Erzählungen der vogelausbeutenden Industrie und zeigt auf, wie Vogelmigrationen funktionieren und was in Wirklichkeit die Ursache für millionenfaches Vogelsterben ist. Spoiler: Es sind nicht die Zugvögel.
  • Die Lunge der Erde fiebert
    Zurück ins Meer schaut Anita Baron in Die Lunge der Erde fiebert …, in der wir die Funktionsweise von Meeresversauerung und -erwärmung lernen sowie den daraus resultierenden Konsequenzen für alles Leben auf dem Planeten. Hier tritt der anthropozentrische Klimawandel einen selbstverschlimmernden Prozess los, bei dem wir genau keine Zeit mehr zum Verschwenden übrighaben.

Human-Animal Studies

  • Wenn Wissenschaft und Aktivismus sich treffen
  • Buchempfehlungen
  • Wie wirkt Protest? Was die Forschung uns über Aktivismus zu sagen hat (Teil 1 von 4)
    Demos und direkte Aktionen sind der Inbegriff des Aktivismus. Doch Untersuchungen zeigen: Nur, wenn wir sie wohlüberlegt einsetzen, wirken diese Instrumente in unserem Sinne.
  • Terminankündigung

Bewegung

  • Podcast-Tipps
  • Tiere raus aus der Manege
  • „They Had No Choice“ Mensch und Tier im Krieg in der Ukraine
  • Tiergeschichte: Eine kleine Geschichte der Tierversuchsgegner:innen
    Eine organisierte Kritik an Versuchen mit nichtmenschlichen Tieren (in Deutschland) kann auf eine nahezu 150-jährige Geschichte schauen. Genau dieser Geschichte soll, wie immer bei unseren kleinen Geschichten, schlaglichtartig und mit dem Fokus vor allem auf das 19. Jahrhundert nachgegangen werden.

Lebenshöfe

  • Hofbericht von SchweineHund e.V.

TIERBEFREIUNG – das aktuelle Tierrechtsmagazin

Das Magazin des Vereins erscheint vier Mal jährlich und versteht sich vordergründig als Bewegungs- und nicht als Vereinsmedium. Themen sind Tierausbeutung, Proteste und Aktivismus, Diskussion und Vorstellung von Strategien und Profil der Bewegung, Buchbesprechungen, Kultur, Theorie, aktuelle Nachrichten, Ankündigungen und Berichte von Events und andere Themen.

Das Magazin vereint redaktionell verfasste Artikel und Einsendungen von anderen Aktiven und Gruppen und versteht sich daher auch als Forum. Du kannst das Magazin mit einem Abonnement unterstützen.