Magazin

TIERBEFREIUNG 108

Editorial

Liebe Leser*innen,

was für ein Jahr. Und es ist noch nicht vorbei. Während ich schreibe ist es Ende Juli 2020, die Urlaubszeit hat begonnen, obwohl Corona nach wie vor ein Thema ist. Beim Fleischkonzern TÖNNIES hatten sich mehrere Mitarbeiter_innen der Schlachthöfe mit dem Virus infiziert, da keinerlei Sicherheitsmaßnahmen eingeplant gewesen waren. Das führte zu einem Lockdown im Umkreis des Schlachthofes und zu mehr als 2.000 Infektionen und enorm viel Kritik. Nichtsdestotrotz wurden einige Wochen später die Schlachthöfe wieder in Betrieb genommen, was zu Protesten online und an verschiedenen Standorten und auch zu Schlachthofblockaden führte. Auch die großen Medien griffen das Thema auf und berichteten über schreckliche Arbeitsbedingungen und sogar das enorme Leid Millionen fühlender Lebewesen, die täglich in den Schlachthäusern ermordet werden. Und holten das Thema „Billigfleisch“ wieder hoch, inklusive der Kritik am Konsum tierlicher Leichenteile.

Der Aktivismus für eine befreite Welt findet weiter statt. In Frankfurt a.M. und Umgebung wurden seit Anfang des Jahres über 100 Hochsitze zerstört, was ebenfalls zu Presseanfragen der großen Medien führte. Das Bündnis für gesellschaftliche Tierbefreiung veröffentlichte Anfang Juni einen Forderungskatalog angesichts der Corona-Pandemie. Der Katalog richtet sich an die Politik und Gesellschaft und fordert die Beendigung der Tierproduktion und der Ausbeutung aller Menschen, Tiere und der Natur, gerade im Hinblick auf Corona-Rettungspakete und ähnliches. „Dies beinhaltet drängende Maßnahmen wie z.B. die Schließung von Tierproduktionsbetrieben, den Erhalt und die Sicherung von intakten Ökosystemen und Lebensräumen, die Begrenzung der globalen Erwärmung auf unter 1,5 Grad Celsius, die sofortige Aufhebung prekärer Arbeitsverhältnisse und Umsetzung der Menschenrechte, wie das Recht auf Asyl und damit auf Schutz, und einige mehr.“[1]

Corona ist und bleibt ein großes Thema, weshalb auch wir uns entschieden haben, uns in unserem Titelthema dem Corona-Virus und Zoonosen zu widmen und ein bisschen weiter zu blicken, woher Zoonosen kommen, was für Diskriminierungen damit einhergehen und was das alles mit Tierbefreiung zu tun hat.

Auch sonst gibt es einiges zu lesen. Wie immer findet ihr Berichte von den Lebenshöfen, die die tierbefreier e.V. finanziell unterstützt und Informationen aus den verschiedenen Tierausbeutungsbereichen. Die Offensive gegen die Pelzindustrie bittet im Herbst um Unterstützung beim Pelzcheck..

Wir freuen uns, von euch zu lesen und dass wieder mehr Artikel eingereicht werden. Wir hoffen, dass ihr das beibehaltet und gerne noch verstärkt. Ihr seid die Bewegung und wir wollen lesen, was euch beschäftigt, welche Themen ihr wichtig findet und in welchen Bereichen ihr euch aktivistisch engagiert.

Passt auf euch auf!
Mirjam Rebhan

[1] http://tierbefreier.org/corona/

 

Aus dem Inhalt:

Zoonosen – Wenn Krankheiten Speziesgrenzen überschreiten

  • Die Corona-Krise und die Rodungen des Amazonas-Gebiets
  • Nein zu Tierversuchen – Für eine tierversuchsfreie Forschung gegen COVID-19 und andere Krankheiten
  • Interview mit dem Evolutionsbiologen Rob Wallace
  • Forderungen des Bündnisses für gesellschaftliche Tierbefreiung im Kontext der Corona-Krise
  • CoVeni, CoVidi, CoVici – Über die Instrumentalisierung von Einschränkungen, Überwachung und den Umgang mit Ausnahmesituationen
  • Corona und die Pelzindustrie
  • Rassismus geht viral – Eine Betrachtung rassistischer Diskriminierung im Kontext vergangener und aktueller Infektionskrankheiten
  • Unsere Corona-Lehre

Weitere Themen:

  • Widerstand gegen die Fleischindustrie: In Gedenken an Jill Phipps und Regan Russell
  • Mit dem Rücken zur Wand – die Fleischindustrie in der Corona-Krise
  • Tierschutzbund, Tierindustrie und Corona-Krise
  • Tierversuche abschaffen! Adbusting-Aktion in Münster
  • Aufruf zum Pelzcheck 2020
  • Der Märchenzoo Ratingen
  • Zaunbau, Tierarztbesuch und Weidenwechsel – Alltag bei Happy Kuh e.V.
  • u.v.m

 

TIERBEFREIUNG – das aktuelle Tierrechtsmagazin

Das Magazin des Vereins erscheint vier Mal jährlich und versteht sich vordergründig als Bewegungs- und nicht als Vereinsmedium. Themen sind Tierausbeutung, Proteste und Aktivismus, Diskussion und Vorstellung von Strategien und Profil der Bewegung, Buchbesprechungen, Kultur, Theorie, aktuelle Nachrichten, Ankündigungen und Berichte von Events und andere Themen.

Das Magazin vereint redaktionell verfasste Artikel und Einsendungen von anderen Aktiven und Gruppen und versteht sich daher auch als Forum. Du kannst das Magazin mit einem Abonnement unterstützen.