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TIERBEFREIUNG 131

Als nicht nur antispeziesistisches, sondern auch intersektionales, multidisziplinäres Magazin legt die TIERBEFREIUNG auch immer wieder Wert darauf, ein Schlaglicht auf ökologische bzw. Umweltthemen zu werfen. Es liegt auf der Hand, dass ein radikaler Kampf für Befreiung aller Tiere aus der Gewalt des Kapitalismus nicht auf einem toten Planeten funktionieren kann. Allerdings ist die Beschäftigung mit Wäldern in dieser Ausgabe in sich bereits ein Mikrokosmos vielschichtiger, gesellschaftlicher Kämpfe.

Editorial

Liebe Lesende,

ihr haltet die neue Ausgabe der TIERBEFREIUNG in den Händen oder vielleicht seht ihr sie auch auf eurem Bildschirm. Seit nunmehr einem Jahr haben wir auch ein Onlineabo und wir freuen uns, dass das Ganze von euch angenommen wird. Wenn ihr noch kein Abo haben solltet, schaut doch auf unserer Webseite vorbei. Hier könnt ihr euch jetzt entscheiden, ob ihr zukünftig lieber gedruckte Hefte in eurem Briefkasten oder eine digitale Ausgabe zur Verfügung gestellt haben möchtet.

Langsam wird es wieder Sommer und es wird wieder heißer und insgesamt ist es auch schon wieder sehr trocken. Da denken vielleicht einige an den Sprung in einen See, um sich abzukühlen. Andere denken womöglich an einen Spaziergang im Wald, schließlich ist es dort meistens etwas kühler als in den zubetonierten Orten, in denen viele von uns wohnen.

Der Wald erscheint uns dabei oft als ein friedlicher Ort – zumindest, wenn wir ausblenden, dass Jäger:innen den Bewohnenden des Waldes regelmäßig nachstellen. Aber der Wald ist auch voll von Mythen, wenn nicht sogar der Wald selbst der Mythos ist. Märchenhaft wirken Wälder – auch weil sie die Szenerie für unzählige Sagen und Märchen darstell(t)en. Die Bilder, die in diesen Geschichten erzeugt werden, wirken auch heute auf uns, vielleicht nicht immer bewusst, aber die Geschichten von „bösen Wölfen“, „schlauen Füchsen“ usw. prägen unser Bild von den Bewohnenden der Wälder. Der Wald ist Lebensraum für viele tierliche Bewohner:innen und wenn wir spazieren gehen, sind wir nur Besuchende in Wohnzimmern von Eichhörnchen, Rehen, Käfern, Vögeln usw. Der Wald ist aber auch Ressource. Einerseits werden die Bäume genutzt, um Bau- und Brennstoffe herzustellen, dafür müssen die Bäume fallen und dadurch greifen Menschen massivst in das Ökosystem Wald ein. Fallen müssen die Bäume auch im brasilianischen Regenwald, dort ist aber auch der Boden, auf dem der Wald mal stand, die Ressource. Auf dem ehemaligen Waldboden werden Rinder gemästet, um später zu Wurst oder Fleisch gemacht zu werden und dann wird Soja auf diesen Böden angebaut, um nichtmenschliche Tiere in der Tierindustrie in Europa zu ‚füttern‘. Der Wald ist aber auch Ort des Widerstands. Menschen besetzen Bäume, um diese vor den Äxten und Sägen zu schützen, die beispielsweise Platz für die fossile Industrie oder die Tierindustrie machen sollen. Widerständig sind auch die Menschen, die Jagden stören, um die Bewohnenden der Wälder vor den Kugeln aus Gewehrläufen zu schützen. Diesem vielschichtigen Ort, voller schöner und schauriger Geschichten, widmet sich das Titel- thema der aktuellen Ausgabe.

Wie immer freuen wir uns über Rückmeldungen zum Heft. Per Leser:innenbrief oder in Form eines eigenen Artikels. Vielleicht möchtet ihr auch direkt etwas zur nächsten Ausgabe beisteuern. Schwerpunktmäßig möchten wir uns in der Herbstausgabe mit den Bewohner:innen der Meere, Ozeane, Flüsse, Teiche und anderer Gewässer beschäftigen. Wir freuen uns, wenn ihr etwas zum Thema „Fischerei und Walfang“ beitragen möchtet.

Im Namen der gesamten Redaktion wünsche ich euch eine spannende Lektüre, vielleicht ja in einem Wald oder zumindest unter einem Baum.

Tom Zimmermann


Inhalt

Titelthema

Nicht nur das Klima an sich, sondern auch Klimagerechtigkeit, soziokulturelle Motive, antikapitalistische Kämpfe und schließlich tierethische Berücksichtigungen sind fundamental an die Zerstörung der Wälder geknüpft.

  • Intro: Wälder
  • Waldsterben: Katastrophe oder Chance?
  • Erneuerbar. Nachhaltig. Wohlschmeckend. Eine Kritik der Erzählungen über Holzpellets
  • Im Regenwald Brasiliens tickt die Uhr …
  • Der Wald im Märchen
  • Ausstellungsrezension: Mythos Wald
  • Geschichte des Hambi

Repression
Wegen einiger Dutzend zerstörter Hochsitze in der Umgebung von Dresden wurde Anfang März 2026 bekannt, dass ein Ermittlungsverfahren läuft. Durch die Begründung der Maßnahmen in Durchsuchungsbeschlüssen der Polizei wurde im Rahmen von Hausdurchsuchungen bekannt, dass nicht nur wegen Sachbeschädigung, sondern auch wegen der Bildung einer sogenannten kriminellen Vereinigung gegen mindestens fünf bisher bekannt gewordene Beschuldigte ermittelt wird.

  • Jagdsabotage im Fokus der Polizei Konstruktion einer kriminellen Vereinigung wegen zerstörter Hochsitze in Sachsen

Bewegung
Ende März 2026 wurde zu einem gemeinsamen Wochenende nach Nürnberg eingeladen, um Menschen aus der anarchistischen Bewegung und dem Tierbefreiungsspektrum zusammenzubringen.

  • Anarchie und Tierbefreiung: Bewegungswochenende in Nürnberg
  • Demolyrik kritisch hinterfragt: Say it loud, say it clear! Refugees are welcome here!
  • Anarchistische Tage Dresden 2026

Weitere Themen

  • Der Arbeitskreis Chimaira oder die Anfänge der HAS in Deutschland
  • Die Bücher des Arbeitskreis Chimaira
  • Was die Forschung uns über Aktivismus zu sagen hat (Teil 2 von 4): Tierethik im Klassenzimmer – Wie wirkt Bildungsarbeit?
  • Sammeln, archivieren, forschen und publizieren. Eine kleine Geschichte in eigener Sache oder: Eine sehr kleine Geschichte von Tierrechtsarchiven
  • Ein neuer Ort zum Leben: Der Lebenshof Happy Kuh e.V. ist umgezogen!
  • Befreiungen und Sabotagen: Aktionen des letzten Quartals

TIERBEFREIUNG – das aktuelle Tierrechtsmagazin

Das Magazin des Vereins erscheint vier Mal jährlich und versteht sich vordergründig als Bewegungs- und nicht als Vereinsmedium. Themen sind Tierausbeutung, Proteste und Aktivismus, Diskussion und Vorstellung von Strategien und Profil der Bewegung, Buchbesprechungen, Kultur, Theorie, aktuelle Nachrichten, Ankündigungen und Berichte von Events und andere Themen.

Das Magazin vereint redaktionell verfasste Artikel und Einsendungen von anderen Aktiven und Gruppen und versteht sich daher auch als Forum. Du kannst das Magazin mit einem Abonnement unterstützen.