Magazin
TIERBEFREIUNG 128
Editorial
Liebe Lesende,
Rotschnabel-Madenhacker picken Zecken und Flöhe aus dem Fell von Impalas, Putzergarnelen entfernen Nahrungsreste aus den Zähnen von Muränen und Eichelhäher warnen Artgenossen und andere Waldbewohnende vor drohenden Gefahren wie Jäger*innen. Wir Menschen sind bekanntlich nicht die einzige Spezies, die fähig ist, anderen zu helfen. Es wird jedoch für gewöhnlich angenommen, wir seien die Einzigen, die dabei selbstlos handelten. Schließlich erhalten die Madenhacker eine Mahlzeit und die Impalas werden lästige Plagegeister los – eine klassische Win-win-Situation, von der beide profitieren. Tatsächlich geht tierliche Hilfsbereitschaft jedoch über rezipokes Verhalten hinaus und überwindet mitunter auch Verwandtschaftsverhältnisse.
Ameisen sind bekannt für ihre Arbeitsteilung. Sie sind zudem ein Paradebeispiel von sozialer Kooperation und Hilfsbereitschaft. Auch Wanderratten verfügen über ein komplexes Sozialverhalten. Sie schließen sich mit verwandten und nichtverwandten Individuen zusammen und geben einander Nahrung ab. Vampirfledermäuse ernähren sich von Blut. Kehren sie mit vollen Mägen von ihren nächtlichen Ausflügen in die Kolonie zurück, würgen sie etwas Blut heraus, um es weniger erfolgreichen, hungrigen Artgenossen, auch nichtverwandten, zu übergeben.
Obwohl selbstloses Handeln häufig schwer zu deuten ist, setzen Forschende aus Biologie und Verhaltensforschung alles daran, tierliche Hilfsbereitschaft zu interpretieren und individuelles Sozialverhalten mittels eines genetischen oder biologischen Nutzens zu relativieren. Sowohl Wanderratten als auch Vampirfledermäuse seien insbesondere jenen gegenüber hilfsbereit, von denen sie selbst ein andermal Hilfe erhalten hätten. Tatsache ist: Hilfsbereitschaft, auch selbstlose, ist keine dem Menschen vorbehaltene Fähigkeit.
Mit der vorliegenden Ausgabe wünschen wir euch eine interessante Lektüre. Wie immer freuen wir uns über Leser*innenbriefe, Kritik und natürlich auch Lob. Schreibt uns von euren Aktionen und lasst es uns wissen, wenn ihr Themenideen habt.
Ina Schmitt
Inhalt
Titelthema “Direkte Hilfe”
- Intro
- Ein antispeziesistisches Dilemma: Ein teils fiktionaler, persönlicher und ambivalenter Reisebericht
- Hof Butenland: Direkte Hilfe auf einem Lebenshof
- Eine kurze Geschichte der Tierheime
- Tierheimfeste: Speziesismus auf dem Teller
- Burg Nagezahn: Direkte Hilfe für Nagetiere und Kaninchen
- Ein Clash mit Folgen: Wildlebende nichtmenschliche Tiere und menschliche „Zivilisation“
Bewegung
- Tötung „überzähliger“ Paviane im Tiergarten Nürnberg
- Silent-Protest, Kundgebungen und Blockade von Animal Rebellion am Tiergarten Nürnberg
- Animal Rebellion blockiert den Betrieb von Sachsenmilch
- Wissenschaft entdeckt, dass Tiere fühlen! Absurde „Neuigkeiten“ in Spektrum der Wissenschaft
- KI-Kapitalismus:Teil I – Generative künstliche Intelligenz zerstört Menschen, Gesellschaften und den Planeten
- KI-Kapitalismus:Teil II – Kampf und Sabotage
- Demolyrik: Kein Kommunismus ohne Anarchie
- Quartalsreport
TIERBEFREIUNG – das aktuelle Tierrechtsmagazin
Das Magazin des Vereins erscheint vier Mal jährlich und versteht sich vordergründig als Bewegungs- und nicht als Vereinsmedium. Themen sind Tierausbeutung, Proteste und Aktivismus, Diskussion und Vorstellung von Strategien und Profil der Bewegung, Buchbesprechungen, Kultur, Theorie, aktuelle Nachrichten, Ankündigungen und Berichte von Events und andere Themen.
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