Rodungen am Wilhelm-Leuschner-Platz in Leipzig

Auch wenn die Auswirkungen der Klimakrise leider kaum noch in den Nachrichten zu sehen sind, ist die Situation akuter den je. Jeder Baum und jeder Strauch ist wertvoll und so verwundert und schockiert es zu lesen, dass Leipzig sich dazu entschieden hat, alte Baumbestände und Sträucher auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz unwiederbringlich zu zerstören. Die dazugehörige Pressemitteilung der Stadt wurde am 20.01.2021 veröffentlicht – noch am gleichen Tag wurden 500m2 Sträucher und 12 der 26 geschützten Bäume gefällt. Grund für die Rodung ist eine Baugrunderschließung für das geplante Leibniz-Institut für Länderkunde. „Das IfL macht gesellschaftlichen Wandel sichtbar und stellt Wissen für nachhaltige und regional ausgewogene Entwicklungskonzepte bereit.“ Gesellschaftlicher Wandel und nachhaltige Entwicklungskonzepte sind bei der völlig übereilten Aktion der Stadt nicht zu erkennen. Es ist eindeutig, dass die Stadt mit dem stürmischen Zerstörungsbeginn Aktivist*innen und Kritiker*innen zuvor kommen und sie vor vollendete Tatsachen stellen wollte. Ein*e Artenschutzgutachter*in war auch nicht vor Ort, um zu prüfen ob beispielsweise Fledermäuse in den Baumhöhlen sitzen. Dass es der der Stadt Leipzig völlig egal ist, ob und wie viele nichtmenschliche Einwohner*innen umgebracht werden, passt in die vollendete Rücksichtslosigkeit gegenüber der 17 Vogelarten, die standorttreu im Park des Wilhelm-Leuschner-Platzes leben und in Folge der Rodung mit der Vernichtung ihres Lebensraumes, und somit Lebensgrundlage, konfrontiert sind. In der Leipziger Innenstadt gibt es nachweislich KEINEN Platz für nichtmenschliche Lebewesen, der kapitalistisch motivierte Bebauungswahn steht scheinbar völlig über rationalen und vernünftigen Ideen zur Erhaltung der Lebensgrundlage aller Tiere (inkl. Menschen).Wie viele wertvolle Grünflächen dank Leipzigs Ignoranz bereits zerstört wurden, kann mensch auf dieser Karte nachlesen: tinyurl.com/leipzig-schrumpft

Natürlich hat die Stadtverwaltung auch geplant das Leibniz-Institut zu begrünen und scheint zu denken, dass das ausreichen würde alte Baumbestände zu ersetzen. Den Vögeln und anderen nichtmenschlichen Tieren, die jetzt ihr zu Hause verlieren ist es aber egal, ob in 10 Jahren wieder ein paar Bäume dort stehen werden; und dem Klima auch. Wie wäre es denn, wenn Leipzig sich bemüht zuerst einen Ausgleich für geplante Bauvorhaben herzustellen und danach abwägt, ob dieser Ausgleich tatsächlich so ökologisch wirksam wie der bedrohte Gehölzbestand ist. Wir brauchen keine leeren Versprechungen mit denen Klimaschädliche Aktionen entschuldigt werden. Wir brauchen keine Betonklötze, wir brauchen mehr grünen Lebensraum!

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