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Von wegen „Artenschutz“: Zoos und die kapitalistische Naturzerstörung

Zoos stellen sich gerne als die Bewahrungsinstitution der Arten – praktisch als eine Art „Arche Noah“ dar. Doch dieser Versuch das Einsperren von Tieren zur Belustigung von Menschen zu rechtfertigen, ist mehr als zynisch. Denn durch die im Zoo gelehrte Naturbeherrschung, wird schließlich die Zerstörung der Habitate dieser bedrohten Tiere legitimiert.
Dabei ist das ganze Konzept des „Artenschutzes“, wie auch des „Naturschutzes“ an sich schon problematisch. Zum einen trennt es binär in Kultur und Menschen auf der einen und Natur und Tiere auf der anderen Seite. Dabei sind wir Menschen selbst Tiere, die Teil der Natur und von der Natur und anderen Tieren abhängig sind. Zum anderen zerstören die Menschen hierzulande durch die imperiale Lebensweise ja erst die Habitate der Tiere, um sich dann ganz paternalistisch wieder als deren Beschützer*innen aufzuspielen.
Auch spielen beim Konzept des Artenschutzes die betroffenen tierlichen Induviduen gleich gar keine Rolle. Sie zählen lediglich als austauschbare „Exemplare“ ihrer Art. Ein Zoo ist eben kein sicheres Refugium für bedrohte Tiere, sondern ein Tiergefängnis, in dem die Tiere jederzeit der Gefahr der Tötung durch die Zoobetreiber*innen ausgesetzt sind. Besonders deutlich tritt dies am Fall des Tötungsvorhabens von Pavianen im Nürnberger Zoo zutage. Dr. Dag Encke, Direktor des Tiergartens Nürnberg, bringt es zynisch auf den Punkt: „Sobald unsere Haltungsbedingungen so gut sind, dass sich Tiere vermehren, stoßen wir bei gutem Erfolg immer an unsere Platzkapazitäten. Und dann können wir als Tiergarten das nur über die Sterberate steuern.“ 
Außerdem wird nur ein winziger Teil der im Zoo gezüchteten Tiere ausgewildert. Viele sind dazu gar nicht in der Lage: Sie sind auf Menschen geprägt, verhalten sich an das Gefangensein angepasst und hätten in Freiheit kaum Überlebens-Chancen, nicht zuletzt weil ihre Lebensräume kontinuierlich zerstört und fragmentiert werden.
Beispiele wie die Auswilderung des Bartgeiers oder des Przewalski-Pferdes werden von Befürworter*innen der Zoos gerne genannt, doch diese Projekte sind selten. Sie wurden oft nicht von Zoos, sondern von spezialisierten Organisationen getragen. Die meisten Tiere in Zoos werden niemals ein anderes Leben kennenlernen als das hinter Gräben, Glas und Gittern. Ihre Existenz dient einem einzigen Zweck: Dem menschlichen Blick.
Wenn Zoos es mit der Sorge um andere Tiere wirklich ernst meinten, würden sie aufhören Tiere zur Unterhaltung einzusperren. Stattdessen würden sie ihre Mittel in die Wiederherstellung und Erhaltung von Lebensräumen stecken. In die Unterstützung von Wildtierstationen. In die Aufklärung über die Ursachen des Artensterbens: den globalen Kapitalismus und die von ihm ausgelößten ökologischen Krisen.
Doch gerade der Zoo Leipzig setzt noch eins obendrauf und führt das Argument des „Artenschutzes“ noch weiter ad absurdum:
Die Polkappen schmelzen, der Regenwald wird abgeholzt, die Meere überhitzen. Das Artensterben ist im vollen Gange, die natürlichen Habitate der Tiere werden in Rekordschnelle zerstört. Auch bei uns sind die Zahlen bedrohlich, der Wildvogelrückgang liegt bei 80% seit 1800. Was machte also der Zoo Leipzig in den vergangenen Jahren, um die Flora und Fauna vor Ort zu unterstützen? Der Zoo Leipzig durfte über eine Millionen Liter Grundwasser täglich unter dem Rosental abpumpen zur Befüllung neue Gefängnisse für Wassertiere. Ein Teich ist schon komplett ausgetrocknet, viele Bäume mussten schon wegen Dürreschäden gefällt werden. So sieht Artenschutz  in Leipzig durch den Zoo aus. 
Deshalb: Schluss mit Zoos, paternalistischem „Artenschutz“ und Kapitalismus! 
Für echte Solidarität mit anderen Tieren! 
Kommt zu unserem Protest am Sonntag, 20. Juli, 12 Uhr vor dem Zoo Leipzig!
End Zoo!
End Capitalism!
Until all are free!