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Schluss mit den Profiten auf Kosten der Tiere – und Schluss mit kultureller Aneignung!

Danke an alle, die heute dem Circus Carl Busch gezeigt haben, was sie von Tierausbeutung und kultureller Aneignung halten!

Weder Tiere noch Rassismus haben in der Manege was zu suchen.

#CircusCarlBusch #KulturIstKeinKostüm
#artgerechtistnurdiefreigeit

 

hier unser Redebeitrag:

Liebe Mitstreiter*innen, liebe Passant*innen,
wir stehen heute hier, um ein sichtbares Zeichen gegen Ausbeutung zu setzen! Gegen die Ausbeutung von nichtmenschlichen Tieren zur Unterhaltung, gegen die Ausbeutung kultureller Identitäten für Profit. Wir kämpfen für ein Miteinander, das niemanden zur Attraktion macht, der oder die sich nicht freiwillig dafür entschieden hat.
Was heute in der Manege als Zauberwelt inszeniert wird, beruht in Wahrheit auf Zwang, Entbehrung und Isolation. Tiere im Zirkus, das bedeutet: ständiger Transport, enge Gehege, keine artgerechte Bewegung, Dressur durch Strafe, grelles Licht und laute Musik, Tag für Tag.
Viele Menschen sehen Wildtiere im Zirkus kritisch, doch verschließen die Augen davor, dass auch andere Tiere unter dem Leben im und für den Zirkus leiden. Auch sie haben Bedürfnisse, ein komplexes Sozialverhalten, einen eigenen Willen. Pferde sind sensible Fluchttiere, so dass der Stress für sie eine besondere Belastung ist. Hier laufen sie im Kreis, heben die Beine, führen Kunststücke vor – nicht, weil sie es mögen, sondern weil sie gelernt haben, es zu tun, um Strafen zu vermeiden, und weil es schlicht keine andere Option für sie gibt.
Auf der Yakari-Webseite geben die Veranstalter*innen vor, das Wohlbefinden der Pferde habe „oberste Priorität“, doch bei näherem Hinsehen werden schnell Ungereimtheiten, Relativierungen und klare Lügen erkennbar. Die Unterbringung in Einzelboxen wird versucht damit zu rechtfertigen, dass diese „über das gesetzliche Mindestmaß weit hinausgehen“ – gesetzliche Mindestmaße sind allerdings kein Maßstab für ein glückliches Leben, sondern ein billiger Kompromiss, den die Politik unter dem Druck von tierausbeuterischem Lobbyismus beschlossen hat. Dann wird erklärt, dass auf Tournee für die Pferde Paddocks, also kleine umzäunte Außengehege, aufgebaut würden. Dass auch diese kaum dazu geeignet sind, den Pferden ausreichend freie Bewegungsmöglichkeiten zu bieten, ist das eine, noch perfider wird es allerdings, wenn man beachtet, dass der kleine Zusatz „wo immer es möglich ist“ hinzugefügt wurde, was deutlich macht, dass es den Verantwortlichen eben kein ernsthaftes Anliegen ist. 
Nicht zuletzt steht die Behauptung, dass zwischen den einzelnen Gastspielstädten fast immer 10-tägige Ruhepausen liegen würden, was sich beim Blick auf den Tourneeplan als glatte Lüge entlarvt: Vom 1. Mai bis zum 26. November geht es für die Tiere durch 8 Städte, wobei die Pause zwischen zwei Städten in fast allen Fällen nur 4 Tage beträgt.
All das macht deutlich: In der Praxis steht der Profit klar vor den Bedürfnissen der Tiere. Würden diese eine Rolle spielen, würde man die Pferde nicht in Transportwägen durch die Gegend fahren, in enge Einzelboxen pferchen, oder sie zwingen, unter Lärm, Stress und Applaus Showeinlagen zu performen. Kann der Zweck der „Unterhaltung“ rechtfertigen, Tiere ihrer Freiheit zu berauben und sie so zu behandeln?
Doch nicht nur die Tiere werden zur Attraktion gemacht – auch Kulturen werden hier auf problematische Weise vereinnahmt. Die Show „Yakari und Kleiner Donner“ basiert auf der französisch-schweizerischen Comicfigur Yakari, einem indigenen Jungen vom Stamm der Sioux. Was schon in Comic, Serie und Kinofilm äußerst problematisch ist und strukturellen Rassismus fortschreibt, wird im Zirkus zur Karikatur vollendet. Kinder in Kostümen, welche die historische Kleidung der Sioux darstellen soll, Tipis auf der Bühne, Pferde als „spirituelle Begleiter“ – alles verpackt in eine Show, die mit echtem Wissen über indigene Geschichte oder der heutigen Lebensrealität der First Nations nichts zu tun hat. 
Federschmuck ist nicht einfach ein dekoratives Accessoire, sondern von tiefer kultureller und oft auch spiritueller Bedeutung. Die Darstellung solcher Symbole durch nicht-indigene Menschen – ohne Rücksprache, ohne Kontext, ohne Verantwortung – ist kulturelle Aneignung. Sie reproduziert Klischees, reduziert Kulturen auf Zirkusfolklore, beraubt sie ihrer Bedeutung und schreibt somit rassistische Vorstellungen und Stereotype fort. Die Sioux gibt es wirklich. Ihre Geschichte ist geprägt von kolonialistischer Vertreibung, Gewalt, Enteignung, Ermordung – und von Überlebenswillen. Sowohl die Geschichte als auch die heute lebenden idigenen Menschen werden vollkommen ignoriert, wenn man sie auf ein Showkonzept reduziert, das kaum einen Bezug zur Realität hat. Die Kritik von betroffenen Menschen an der dekontextualisierten Verwendung von Symbolen und Kleidungen ihrer Kultur wird nicht gehört und ernst genommen. Damit wird das Machtgefälle zwischen weißer Dominanzgesellschaft und marginalisierten Gruppen, wie denen der First Nations zememtiert.
Auch heute ist die Kolonisation wieder ein sehr relevanter Teil der Gegenwart. In dem besiedelten Gebiet, das wir als die Vereinigten Staaten von Amerika kennen, werden die Rechte der indigenen Bevölkerung massiv angegriffen durch die Trump-Administration. 
Kultur ist kein Kostüm. Die brutale Geschichte der Kolonisation der ganzen Welt keine spaßige Zirkushow. 
Manche mögen sagen: „Das ist doch nur eine Kindershow!“ Aber genau hier liegt das Problem. Kinder lernen durch Beobachtung. Wenn Tiere zur Unterhaltung da zu sein scheinen und Kulturen zu Kostümen werden, dann lernen sie: Es ist okay, andere für den eigenen Vorteil zu benutzen. Aber das ist eben nicht okay. Es ist nicht egal. Und es ist an uns allen, das zu ändern. Kinder sollen staunen, aber nicht auf Kosten anderer. Nicht auf Kosten von Lebewesen, die keine Wahl haben. Nicht auf Kosten von Kulturen, deren Stimmen nicht gehört werden.
Wir sind nicht gegen Zirkus als solches. Wir sind für einen Zirkus, der Menschen begeistert – ohne Tierleid. Der Kulturen Anerkennung verschafft – ohne sie zu vereinnahmen. Der Vielfalt zeigt – ohne sie zu entstellen.
Artistik, Musik, Magie, Akrobatik – all das braucht keine Tiere und keine Klischees. Die besten Zirkusse der Welt kommen ganz ohne dies aus.
Es liegt an uns allen – als Gesellschaft, als Besucher*innen, als Bürger*innen dieser Stadt – was wir unterstützen. Ob wir sagen: „Es war halt immer so.“ oder ob wir sagen: „Wir wollen, dass es besser wird.“
Wenn die Stadt ihrer Verantwortung gerecht werden will, sollte sie sich in Zukunft fragen: Wollen wir Platz bieten für Unterhaltungskonzepte, die auf der Ausbeutung von Tieren und der Reproduktion (kultureller) rassistischer Stereotype basieren?
Und auch jede und jeder Einzelne kann ein Zeichen setzen. Indem man sich informiert. Indem man hinschaut. Und manchmal eben auch: indem man nicht hingeht.
Danke, dass ihr zuhört. Danke, dass ihr nachdenkt. Und danke, wenn ihr mit uns für Veränderung kämpft.