Vor den Tieren kamen die Menschen. Ganz nach dem Vorbild Carl Hagenbecks veranstaltete Ernst Pinkert erst einmal kolonial-rassistische Zurschaustellungen von Menschen, sogenannte „Völkerschauen„. Die in drei Jahren generierten Einnahmen aus eben diesen Veranstaltungen legten den Grundstein für den Zoo wie wir ihn heute kennen. Vor allem Menschen aus Afrika aber auch aus Australien, Asien oder Nordamerika wurden hier gedemütigt und vorgeführt. Oft wurden sie unter falschen Versprechungen angeheuert oder gar entführt. Mindestens 2 Menschen kamen auch im Leipziger Zoo dabei ums Leben. Hassan Essaha(s) und ein Asante-Kind starben hier. Tote waren bei den „Völkerschauen“ keine Seltenheit, denn die medizinische Versorgung der Menschen war oft unterirdisch und abhängig von der Willkür der Manager.
Die Beerdigung Hassan Essaha(s) auf dem Südfriedhof war ein Spektakel für die Masse, das keinen Platz für echte Trauer und eine würdige Beisetzung ließ.
Zwischen 1876 und 1931 fanden insgesamt 42 dieser „Völkerschauen„ statt, bei denen mehr als 750 Bi_PoC zur Schau gestellt und ausgebeutet wurden.
Aufarbeitung und Reflexion durch den Zoo selber? Fehlanzeige. Nur durch massiven Druck von außen und einen Stadtratsbeschluss stampfte der Zoo seine von rassistischen Stereotypen überbordenden Shows wie „Hakuna Matata-Afrika Live erleben“ endlich ein.
Die Archive des Zoos, die Aufklärung bieten könnten über das Grauen der „Völkerschauen„, bleiben verschlossen. Im Zoo selbst findet sich kein Gedenken an die Menschen, die hier gelitten haben.
Dass der Zoo sich überhaupt mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen muss, verdan-ken wir dem Migrant*innenbeirat, Decolonize Zoo Leipzig, der Leipziger Ortsgruppe der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland und anderen, die sichtbar machen, was der Zoo Leipzig gerne für immer unter Verschluss halten würde. Organisationen die den Protest gegen fortgesetzten Rassismus auf die Straße und in die Parlamente tragen. Organisationen, die die koloniale Vergangenheit sichtbar machen und für Transparenz und echte Auseinandersetzung kämpfen.
Decolonize Zoo! End Zoo! Until All Are Free!
Kundgebung gegen den Zoo: Sonntag, 20. Juli, 12 Uhr!